FGL-Aktorik

Sensoren

Aktorik – Hightech mit Gedächtnis

Formgedächtnislegierungen (FGL) revolutionieren seit Jahrzehnten Branchen von Raumfahrt über Automobil bis hin zur Consumer-Elektronik.

Was steckt dahinter?

Der besondere Effekt von FGL basiert auf einer thermisch oder mechanisch induzierten Phasenumwandlung. Dadurch entstehen u. a.:

  • Pseudoelastizität: „Elastisches“ Verhalten bis 8 % Dehnung
  • Pseudoplastizität: Aktorisch nutzbares Spannungs-Dehnungsverhalten
  • Interner Sensoreffekt: Widerstandsänderung bei Phasenübergängen

Werkstoff-Grundlagen

  • Nickel-Titan-Legierungen (binär/ternär)
  • Verfügbar als Draht, Stab, Rohr oder Blech
  • Umwandlungstemperatur: -200 °C bis +100 °C
  • Dehnung: bis 5 % (je nach Zyklenzahl)
  • Blockierkräfte: bis 400 N/mm²
  • Zyklenfestigkeit: bis >3 Mio. Zyklen
  • Extrem hohe spezifische Energiedichte → ideal für Miniaturisierung

Die Entdeckung des Effekts

Bereits 1959 entdeckte William J. Buehler erste Besonderheiten bei NiTi-Legierungen. Seitdem ging es rasant weiter:

  • 1961: Formgedächtniseffekt zufällig entdeckt
  • 1962: Erstbeschreibung durch F. E. Wang
  • 1967: Erste Konferenz zur FGL-Technologie

Anwendungen in Industrie & Alltag

Erste Serienanwendungen

  • 1969: 200 bar Verbinder für Grumman F-14 (Cryofit)
  • 2004: Erste FGL-Drahtanwendung: Insulinpumpe „Omnipod“

Consumer

  • 1988: Philips Café Gourmet – FGL-Ventil steuert Wasserfluss
  • Später: Reiskocher, Klimaanlagen, Thermoventile

Automobil

  • 1989: Mercedes S-Klasse – FGL-Bypassventil für Servolenkung
  • 2005: Ölstandregelung CVT (Mercedes A/B-Klasse)
  • Heute: Batterie-Thermomanagement, Kühlluft, Öl

Consumer Electronics

  • 2015: Smartphone-Kameras – Autofokus & Bildstabilisierung mit FGL-Draht
  • 2023: SMA 8-Wire System – Kombination aus AF und OIS (40 Mio. Stück)
Illustration zur FGL-Technologie
Status Quo